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Vier Maßnahmen für mehr Wohneigentum

Der Wunsch nach Wohneigentum ist ungebrochen. Dennoch stagniert die Wohneigentumsquote bei 45 Prozent. Vor allem jüngere Haushalte mit mittleren Einkommen können sich die eigenen vier Wände oft nicht mehr leisten. Dies ergab eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Das Finanzinstitut schlägt deshalb vier Maßnahmen für mehr Wohneigentum vor. Denn: Die Nachfrage nach Wohnraum wächst bis mindestens ins Jahr 2030 in den meisten Landkreisen im Bundesgebiet weiter, wie eine Forschungsarbeit der Universität Freiburg belegt.

Auch im Jahr 2017 stagniert die Wohneigentumsquote in Deutschland bei 45 Prozent. Das ergab eine aktuelle Studie des IW Köln. Damit liegt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich weiterhin abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Auffallend ist: Vor allem Ältere und Haushalte mit höherem Einkommen erwerben dem IW Köln zufolge Wohneigentum, während sich jüngere Familien mit mittleren Einkommen immer weniger eine eigene Immobilie leisten können. So ist die Wohneigentumsquote bei den 65 bis 74-Jährigen in den letzten zehn Jahren um sieben Prozentpunkte auf 58 Prozent gestiegen. Bei den 25 bis 34-Jährigen hingegen ist die Quote im selben Zeitraum von 17 auf 12 Prozent zurückgegangen.

Die Gründe für diesen hinteren Tabellenplatz liegen laut IW Köln im fehlenden Eigenkapital der Immobilieninteressenten, im fehlenden Bauland und in einem mangelnden Immobilienangebot, vor allem in Ballungszentren. In Deutschland wird seit Jahren zu wenig gebaut. Derzeit beträgt die Wohnraumlücke rund 1 Mio. Wohnungen.

Nachfrage steigt trotz abnehmender Bevölkerung

Dabei müsste der Wohnungsbau langfristig vorangetrieben werden. Das ist die Schlussfolgerung aus einer wissenschaftlichen Untersuchung, die Prof. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg für Schwäbisch Hall durchgeführt hat. Demnach steigt die Nachfrage nach Wohnraum trotz Bevölkerungsrückgang bundesweit bis mindestens 2030 mit Ausnahme weniger Regionen. Blickt man auf das Jahr 2060, prognostizieren die Wissenschaftler eine steigende Wohnraumnachfrage noch in weiten Teilen Deutschlands, darunter die Region rund um Berlin, weite Teile Baden-Württembergs, Bayerns und Hessens.

„Die anhaltend hohe Nachfrage mag auf den ersten Blick überraschen. Hauptgrund dafür ist, dass die Zahl der Haushalte wächst“, so Reinhard Klein, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Dies hat mehrere Ursachen: Die Wohnfläche pro Person nimmt bis 2030 von derzeit 45 auf 49 Quadratmeter zu. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Personen im Haushalt: 1961 lebten im Schnitt noch 2,77 Personen pro Haushalt, 2060 werden es nur noch 1,86 Personen sein. Das liegt an der wachsenden Zahl von Single-Haushalten: So wohnen Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung nach dem Tod ihres Partners statistisch zwölf Jahre allein. Und: Es suchen knapp eine Mio. mehr Studenten eine Bleibe in Hochschulstädten als noch vor zehn Jahren. All dies zusammen führt nach den Freiburger Forschern dazu, dass Immobilien bis 2030 weiträumig im Wert steigen. Bis 2060 erwarten sie vor allem in Ballungszentren und begehrten Lagen erhebliche Preissteigerungen.

Maßnahmen für mehr Wohneigentum

Angesichts dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse schlägt Schwäbisch Hall-Chef Reinhard Klein vier Maßnahmen vor, um mehr Menschen sicher in die eigenen vier Wände zu bringen:

1. Mehr Flächen ausweisen und nachverdichten: Wo nicht mehr Bauland ausgewiesen werden kann, vor allem in Innenstädten, muss nachverdichtet werden. Klein: „Durch das Aufstocken zusätzlicher Etagen kann auch auf bebauten Flächen neuer Wohnraum entstehen. In Wien leben beispielsweise doppelt so viele Menschen auf einem Quadratmeter wie in München.“

2. Bauvorschriften ausdünnen: Seit 1990 ist die Zahl der Bauvorschriften von 5.000 auf mehr als 20.000 gestiegen. „Ein Abbau unnötiger Vorschriften würde das Bauen im Sinne der Bauherren vereinfachen und günstiger machen“, so Klein.

3. Nebenkosten senken: Die Nebenkosten, bestehend aus Grunderwerbsteuer, Notar- und Maklerkosten, machen Wohneigentum laut IW Köln für breite Teile der Bevölkerung unerschwinglich. In Baden-Württemberg sind knapp 11 Prozent, und in Berlin und Brandenburg sogar mehr als 15 Prozent der Kaufsumme an Nebenkosten fällig. In den Niederlanden beispielsweise sind es nur 2,63 Prozent. Einen wesentlichen Anteil dabei hat die Grunderwerbsteuer. Klein fordert daher: „Eine Staffelung oder ein Grundfreibetrag bei Ersterwerb oder pro Kind würde die Grunderwerbsteuer senken.“

4. Eigenkapitalaufbau stärken: Ohne eine vernünftige Eigenkapitalausstattung sollte sich niemand mit Wohneigentum belasten. Daher sind eigene Anstrengungen künftiger Bauherren notwendig: „Ohne Sparen und Konsumverzicht geht es nicht“, so Klein. Die Bundesregierung hat das Problem erkannt und will durch eine Nachbesserung der Wohnungsbauprämie gezielt Sparanreize schaffen.

Kontakt

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Karsten Eiß
Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
Kathrin Milich