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Rettet die Dörfer!

Der Wert des ländlichen Raums für das Gemeinwesen in Deutschland

Die Bundestagswahl 2017 und die folgende politische Debatte haben es gezeigt: Es gibt längst nicht mehr nur eine Spaltung des Landes in Ost und West, auch zwischen wächst die Stadt und Land Kluft. Das hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede zum Jahrestag der deutschen Einheit 2017 genauso unterstrichen wie der CDU-Politiker Volker Kauder: „Gerade in den ländlichen Gebieten – auch im Westen – herrscht verbreitet das Gefühl, mehr und mehr abgehängt zu werden. Wenn erst die Schule schließt, dann Postamt und Sparkasse, haben die Menschen den Eindruck, dass sich niemand um sie kümmert.“

Das Ländliche wie auch das Urbane sind Kategorien unserer Einbildung. Kategorien, mit denen wir unserem Leben in gewisser Weise einen Sinn geben.“
(Christoph Baumann, Kulturgeograph am Institut für Geographie der Universität Erlangen)

Dass inzwischen auch in der Politik die Alarmglocken schrillen, ist kaum verwunderlich. Ärzte streben zunehmend in Großstädte, in denen sie mehr verdienen, ohnehin ist die Zahl von Medizinstudienplätzen in Westdeutschland seit 1990 um ein Drittel gesunken. Beides führt dazu, dass die Unterversorgung in den ländlichen Gebieten weiter größer wird. Obwohl rund die Hälfte des deutschen Bruttosozialprodukts außerhalb großer Zentren erwirtschaftet wird, fehlt es mittlerweile neben Ärzten und Pflegekräften auch an einem ausreichenden Netz an öffentlichem Nahverkehr, an Einkaufs- und Bildungsmöglichkeiten, einer guten Breitbandanbindung und deshalb zumindest teilweise auch an Jobs. Hier könnte mehr Aufmerksamkeit der Politik, manifestiert in einem Bundesministerium für die ländliche Entwicklung, in die richtige Richtung weisen. Denn, so Kauder: „Das Land gehört zu unserer Kultur wie das Brot und das Bier.“

Vielfalt bewahren

Deutschland war schon immer ein vielfältiges Land – nicht nur, was die Natur von den Alpen bis an die Ost- und Nordsee angeht. Die kulturelle Vielfalt ist das Ergebnis des Nebeneinanders von Metropolen und Land. Jeder zweite Einwohner lebt im ländlichen Raum, eine Million Menschen arbeiten in den rund 285.000 landwirtschaftlichen Betrieben bundesweit. Weltverändernde Erfindungen wurden auf dem Land geboren: Wie das Genossenschaftswesen, das Schulze-Delitzsch und Raiffeisen Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Taufe hoben, um eben die Probleme der Landbevölkerung zu lindern. Und das heute ein Revival sondergleichen erlebt, weil der Gedanke der Solidarität und der Gemeinsamkeit gleichermaßen im Wohnungsbau, bei der Mobilität oder im Weinbau sinnvoll ist. Der Fischer-Dübel kommt aus dem Schwarzwald, aus Bad Waldsee am Bodensee stammt Erwin Hymer, der Erfinder des Wohnmobils. Da gibt es etwas zu bewahren und zu erhalten.

Das Land gehört zu unserer Kultur wie das Brot und das Bier.“
(Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der CDU)

„Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland“ heißt diese Notwendigkeit in der Sprache der Wahlprogramme – in Anlehnung an Artikel 72 des Grundgesetzes. Es geht dabei um die Sicherung von Daseinsvorsorge, und das zu konkretisieren ist gar nicht schwer: Die Digitalisierung macht eine flächendeckende Breitbandversorgung unabdingbar. Ohne schnelles Internet wird heute kaum noch ein Arbeitsplatz geschaffen. Bildungs- und Kinderbetreuungsmöglichkeiten dürfen auch künftig nicht schlechter sein als in den Großstädten. Arztpraxen, Apotheken und Pflegeeinrichtungen sind zentrale Bestandteile der Grundversorgung, ebenso wie eine angemessene Polizeipräsenz, öffentlicher Nahverkehr und gut ausgebaute Straßen. Viele Maßnahmen haben unmittelbar gar nichts mit dem Problem zu tun und leisten doch einen Beitrag zu einer besseren Versorgung der Landbevölkerung – etwa, wenn der Numerus Clausus auf Medizinstudienplätze zugunsten einer differenzierten Eignungsprüfung abgeschafft werden würde und dadurch mehr und vor allem flexiblere Ärzte ausgebildet würden.

Wohneigentum verpflichtet

Auch die Förderung von Wohneigentum wirkt als „Haltefaktor“ und leistet einen Beitrag zum Verbleib qualifizierter Fachkräfte und junger Familien in den Regionen. Wer für sich und seine Familie den Traum vom eigenen Haus erfüllt, tut dies bewusst an einem bestimmten Ort und fühlt sich dadurch enger an diese Wohnheimat gebunden. Darum ist die Förderung von Wohneigentum immer auch ein Beitrag, der die Infrastruktur aufrechterhält und gegen die Entleerung ländlicher Räume wirkt.

Das kostet Geld, aber die Investition lohnt sich. Ein Deutschland, das aus einigen aus allen Nähten platzenden Metropolen und einem verödeten, verlassenen Land besteht, wäre weder so attraktiv noch so leistungsfähig wie heute. Doch neben strukturpolitischen Maßnahmen müssen die Bürger initiativ werden. Für diese Selbsthilfe müssen Bund, Länder und Kommunen sowie Wirtschaft, Verbände, Vereine und Bürgerinitiativen eng zusammenarbeiten, um ländliche Räume zu sichern, in denen Jung und Alt sich wohlfühlen und Perspektiven haben. Es gibt schon eine Vielzahl Mut machender Beispiele.

 

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Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
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