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Generation „Wir bleiben zuhause“

Die aktuelle Forsa-Umfrage des Verbands der privaten Bausparkassen überrascht: Großstädte sind out, Vororte und mittelgroße Städte sind in – und zwar bei den 14- bis 19-Jährigen. Mit 30 will nur jeder Fünfte in einer Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern leben, 28 Prozent präferieren eine Stadt ab 20.000 Einwohner, ein Viertel will auf dem Land leben – und Land meint hier wirklich Dorf oder sogar auf einem Bauernhof. Kein Wunder, dass das Homeoffice bei sechs von zehn Jugendlichen schon fest eingeplant ist.

Auch das Zusammenleben wird geplant: Als Single will fast niemand leben (nur 5 Prozent), die Familie bleibt die beliebteste Lebens- und Wohnform: 84 Prozent legen sich hier schon fest. Dazu passt das Thema Wohneigentum: Die große Mehrheit, nämlich neun von zehn, wollen mit 30 Jahren in den eigenen vier Wänden leben. Und jetzt kommt‘s: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen geht davon aus, dass sie bereits mit 30 Jahren dieses Ziel erreicht haben! Ein Drittel gibt sich dafür immerhin etwas mehr Zeit. Kümmerliche 4 Prozent gehen davon aus, dass der Erwerb von Wohneigentum für sie nicht möglich sein wird.

Diese Gewissheit in einer Welt, die in Sachen Berufs- und Vermögensperspektiven immer unsicherer wird, überrascht einen erfahrenen Fachmann wie mich dann doch ziemlich. Es wird spannend herauszufinden, woher die heute 14- bis 19-Jährigen diese Zuversicht nehmen und wieviel Wunschdenken ihr Traum von den eigenen vier Wänden beinhaltet. Denn Untersuchungen des IW Köln und anderer Institute machen klar, dass ohne deutlich höhere staatliche Förderung der schnelle Sprung raus aus der Miete nicht machbar ist. Derzeit schafft nur jeder Vierte zwischen 30 und 40 diesen Absprung, vor einigen Jahren war es noch jeder Dritte. Gleichzeitig galoppieren die Bau- und Immobilienpreise davon, die Lohnsteigerungen fallen geringer aus.

Und wir ahnen es alle: Wohnen wird allein schon durch die Klimaziele der Bundesregierung teurer. Immobilieneigentümer und Mieter müssen höhere Heizkosten stemmen, entweder durch teurer werdende fossile Brennstoffe, durch weitere (kostenintensive) bauliche Auflagen oder durch energetische Sanierungsmaßnahmen. Doch erstaunlicherweise finden es zwei Drittel der befragten Jugendlichen richtig, dass Mieter und Wohneigentümer einen höheren Beitrag zum Klimaschutz leisten und planen höhere Wohnkosten schon ein. Ein Viertel ist dagegen.

Der „Generation Zuhause“ bleibt neben dem Schielen auf die finanzielle Unterstützung der Eltern­generation also nur das eine: mühevolles Ansparen ohne Zinserträge, dafür mit einem Junge-Leute-Bonus beim Wohn-Riester und einer verbesserten Wohnungsbauprämie. Ob das reicht? Im Zweifel sollten wir uns für die Jungen mehr ins Zeug legen, damit das Traumhaus für sie kein Wunschtraum bleibt.

#Expertenmeinung von Oliver Adler, Immobilien-Experte bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

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