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Warum Bauherren nicht auf Minuszinsen hoffen sollten

„Wer baut, bekommt Geld geschenkt“ – Schlagzeilen wie diese aus der FAZ klingen verlockend für Immobilienkäufer. Aber wie realistisch sind Minuszinsen für die Finanzierung von Wohneigentum derzeit?

Fakt ist: Seit mehr als einem Jahr sind die Kapitalmarktzinsen weltweit kontinuierlich gesunken und haben historische, vielfach auch negative Tiefpunkte erreicht. Schulden zu machen kostet heute immer weniger und wer Geld zur Seite legt, macht unter Umständen sogar noch Verluste. Trotzdem: Dass wir hierzulande in eine anhaltende Phase negativer Kreditzinsen rutschen, ist unwahrscheinlich.

Denn erstens: Seit Jahren haben in erster Linie strukturelle Faktoren dazu beigetragen, dass wir ein langanhaltendes Niedrigzinsniveau beobachten. Diese strukturellen Faktoren wurden seit Ende 2018 durch eine zunehmende Sorge um die Weltkonjunktur verstärkt und führten unter Mitwirkung der Notenbanken zu einem deutlichen Zinsrutsch. Trotz aktuell eher schwächelnder Konjunktur gehen die meisten Experten jedoch nicht davon aus, dass eine tiefe Wirtschafts- und Eurokrise kommt. Bliebe das so, dann sollte sich das Zinsniveau langsam wieder erholen.

Lohnt es sich also für Bauherren, abzuwarten und auf negative Zinsen für ihre künftige Finanzierung zu spekulieren? Klare Antwort: Nein.
Dr. Rainer Eichwede, Leiter Finanzsteuerung

Zweitens, und das ist für die Entwicklung der Kreditzinsen entscheidend: Die Refinanzierung von Minuszinsen wird für das Bankensystem auf Dauer zu teuer – von technischen und rechtlichen Hürden ganz abgesehen. Selbst wenn das allgemeine Zinsniveau also noch einmal fallen sollte, und einzelne Banken – z. B. aus Marketinggründen – vielleicht mit negativen Bauzinsen experimentieren würden, würden die meisten Banken vermutlich nicht nachziehen. Zu groß ist derzeit der wirtschaftliche Druck im Finanzwesen.

Lohnt es sich also für Bauherren, abzuwarten und auf negative Zinsen für ihre künftige Finanzierung zu spekulieren? Klare Antwort: Nein. Viel günstiger wird Baugeld nicht werden. Abwarten und auf weiter sinkende oder gar negative Konditionen zu hoffen, ist also ein finanzielles Risiko, denn ein Ende der steigenden Immobilienpreise ist vielerorts nicht in Sicht.

Wer jetzt eine Baufinanzierung abschließt, sollte vielmehr alle Chancen nutzen, die die Niedrigzinsphase für Kreditnehmer bietet. Also: Mit der Bank eine möglichst lange Zinsbindung vereinbaren und sich die niedrigen Bauzinsen für 20 Jahre oder über die gesamte Laufzeit sichern. Ebenso wichtig: Die Tilgung schon am Anfang möglichst hoch ansetzen, zwei besser noch drei Prozent sollten drin sein. Wer so vorgeht, nutzt das momentane Zinsumfeld optimal.

#Zinsmeinung von Dr. Rainer Eichwede, Kapitalmarktexperte und Leiter Finanzsteuerung bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

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