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Wer heute Wohneigentum stärkt, verhindert die Altersarmut von morgen

Fast 72.000 Euro reicher. Um diese Summe stieg das Nettovermögen von Bundesbürgern mit eigener Immobilie zwischen 2014 und 2017, so ein Bericht der Bundesbank vom April dieses Jahres. Mieter hingegen mussten sich im selben Zeitraum mit einem Plus von gerade mal 300 Euro begnügen. Die Zahlen zeigen, welch große Rolle Wohneigentum für die Vermögensbildung spielt. Umso verwunderlicher, dass die Wohneigentumsquote hierzulande seit Jahren um die 45 Prozent vor sich hindümpelt. Im europäischen Vergleich leben nur in der Schweiz weniger Menschen in den eigenen vier Wänden.

Besonders auffällig und gleichzeitig bedenklich: Immer weniger junge Haushalte erwerben Wohneigentum. Bei den 25- bis 44-Jährigen ist die Quote in den vergangenen Jahren um fünf Prozentpunkte gefallen: Von den 25- bis 34-Jährigen leben nur zwölf Prozent und von den 35- bis 44-Jährigen 38 Prozent in den eigenen vier Wänden. Bei den 65- bis 74-Jährigen hingegen stieg die Wohneigentumsquote im selben Zeitraum um zwei Prozentpunkte auf 58 Prozent. Dabei wäre Wohneigentum gerade für junge Menschen die ideale Altersvorsorge. Die gesetzliche und betriebliche Rente geraten aufgrund der demographischen Entwicklung unter Druck und wegen der Nullzins-Politik fehlen sichere private Anlageformen, die eine ordentliche Rendite abwerfen.

Was sind also die Gründe, dass Deutschland beim Wohneigentum einfach nicht vom Fleck kommt? Dafür gibt es mehrere Ursachen. Die wichtigsten: fehlendes Bauland und ein mangelndes Angebot an Wohnimmobilien, vor allem in Ballungszentren. Die Baukosten haben sich in den vergangenen Jahren zudem stark verteuert. Und die Immobilienpreise sind kräftig gestiegen. Gerade der letzte Punkt ist entscheidend: Zwar können die meisten Haushalte dank der niedrigen Zinsen die laufende Belastung aus Zins und Tilgung tragen. Da aber sowohl die Erwerbsnebenkosten als auch der Eigenkapitalbedarf prozentual an den Kaufpreis anknüpfen, fehlt es vielen an den notwendigen Eigenmitteln für eine solide Finanzierung. Haushalte müssen heute mancherorts über 50 Prozent mehr gespart haben, um sie in eine Baufinanzierung einzubringen als noch vor fünf Jahren.

Gerade jetzt könnten viele, vor allem junge Menschen die Chancen nutzen, die die niedrigen Zinsen bieten. Auch weitere Rahmenbedingungen stimmen: Die Arbeitslosigkeit ist gering und die konjunkturelle Lage gut. Viele schaffen es schlichtweg nur nicht, die Eigenkapitalhürde zu überwinden. Daher ist es wichtig, jungen Leuten einen Anreiz zu geben und sie beim Sparen zu unterstützen. Hier ist die Politik gefordert. Beispielsweise wurde die Wohnungsbauprämie seit 1998 nicht angepasst und dadurch de facto entwertet. Dabei liegt es im gesellschaftlichen Interesse, mehr Familien und Durchschnittsverdiener in die eigenen vier Wände zu bringen. Denn laut Statistischem Bundesamt hat ein Rentnerhaushalt in der eigenen Immobilie im Vergleich zu Mietern monatlich 600 Euro mehr zur Verfügung. Daher gilt: Wer heute das Wohneigentum stärkt, trägt dazu bei, die Altersarmut von morgen zu verhindern.

#Hausmeinung von Reinhard Klein, Vorsitzender des Vorstands der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG

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Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
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