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Wohnen auf Knopfdruck: Häuser aus dem 3D-Drucker

3D-Drucker können heute scheinbar alles: Schicht für Schicht lassen sie die verschiedensten Objekte entstehen. Ob Spielzeugteile oder individuell angepasste Implantate für die Medizintechnik – die neue Technologie ist extrem vielseitig. Wie also könnte sie das Bauen und Wohnen der Zukunft beeinflussen? Schaffen es 3D-Drucker schon heute, Häuser nicht nur schneller zu bauen, sondern auch billiger?

Ein Beispiel aus der Nähe von Moskau zeigt, was bereits möglich ist: Nur 24 Stunden benötigte im vergangenen Jahr ein 3D-Drucker, um ein Haus mit Wohnzimmer, Flur, Küche und Bad zu errichten. Das Video vom „Hausdruck“ ist ein viraler Hit und wurde fast 3,5 Millionen Mal angesehen.

Um den Ausdruck bewohnbar zu machen, mussten dann aber doch noch menschliche Experten Hand anlegen. Sie setzten das Dach auf sowie die Fenster ein und isolierten das Haus. Dennoch belaufen sich die gesamten Baukosten für Rohbau plus Endfertigung laut der Firma Apis Cor, die den mobilen 3D-Drucker hergestellt hat, nur auf 9.500 Euro – das entspricht gerade mal 250 Euro pro m². Zum Vergleich: In Deutschland müssen private Bauherren laut Statistischem Bundesamt mit reinen Baukosten von rund 1.600 Euro pro m² rechnen.

Vorreiter Dubai

Zugegeben: Das russische Haus ist ein Modell und hat lediglich eine Wohnfläche von 38 m² – kaum ausreichend für eine Familie. Aber es geht durchaus ein paar Nummern größer: In Dubai steht das erste voll funktionsfähige Haus, dessen Teile – einschließlich der kompletten Inneneinrichtung – vollständig im 3D-Drucker entstanden sein sollen. Ein 6 m hoher und 36 m langer Drucker benötigte 17 Tage (plus zwei Tage Montage) für das 250 m² große Eigenheim. Gesamtkosten laut Hersteller: umgerechnet knapp unter 120.000 Euro. In Dubai traut man der neuartigen Technologie viel zu: Bereits 2030, so plant die Dubai Future Foundation, soll dort ein Viertel aller Häuser aus dem 3D-Drucker kommen.

Aber nicht nur in Asien bewegt sich was. Tatsächlich sind die Aktivitäten im Bereich der „additiven Fertigung“ – so wird der automatisierte Prozess des Drucks dreidimensionaler Objekte offiziell genannt – im Bauwesen in den letzten Jahren exponentiell gestiegen. Auf dem Internetportal 3Dnatives schätzen Experten, dass der weltweite Betonmarkt für 3D-Druck im Jahr 2021 voraussichtlich 50 Millionen Euro erreichen wird. Wobei die „Druckertinte“ nicht unbedingt Beton sein muss: In Amsterdam experimentiert man mit dem Druck von Bio-Kunststoff in Wabentechnik. An der ETH Zürich drucken Forscher nicht den Beton an sich aus, sondern ein dichtes dreidimensionales Metallgewebe, in das später der flüssige Beton verfüllt wird.

3D-Drucker brauchen keine Mittagspause

Die Vorteile sind offensichtlich: Der 3D-Drucker braucht weder Schlaf noch Mittagspause. Das erhöht die Baugeschwindigkeit deutlich und senkt die Kosten spürbar. Zusätzlich werden der Materialausschuss und das Unfallrisiko minimiert. Dennoch: Klaudius Henke, der an der TU München auf diesem Gebiet forscht, rechnet in den nächsten zehn Jahren nicht mit einem Boom in Deutschland. Es sei „noch völlig offen, ob es am Ende tatsächlich der 3D-Druck des Eigenheims ist, der sich durchsetzen wird, oder eher eine Mischbauweise aus additiv gefertigten Elementen in Kombination mit konventionell hergestellten.“

Noch steckt die Entwicklung also in den Kinderschuhen. Wenn aber das menschliche Bedürfnis, sich ein Zuhause zu schaffen, auf innovative Technologie trifft, könnte das auf lange Sicht mehr bezahlbares Wohneigentum möglich machen.

# Expertenmeinung von Kathrin Milich, Pressereferentin bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

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Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
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