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Ankerstadt – der rettende Anker

Wohnen in Deutschland tut weh. So zumindest klingt es, wenn das Forschungsinstitut empirica beschreibt, was der demografische Wandel in Deutschland auslöst. Da ist die Rede von „Wachstumsschmerzen“ in den Ballungszentren und „Schrumpfungsschmerzen“ in ländlichen Regionen. Wachstum und Schrumpfung – beides offenbar Folgen der Binnenwanderung innerhalb Deutschlands. Über mögliche negative Folgen für Stadt und Land wird derzeit viel diskutiert, doch was kann die Schmerzen lindern helfen?

Klar ist, als Folge des demografischen Wandels – mehr Ältere, weniger Nachwuchs – sortiert sich die Bevölkerung neu. Und wandert. Dabei tauchte in den vergangenen Jahren verstärkt ein Phänomen wieder auf, das Soziologen so beschreiben: Die Bürger ziehen aus dem Umland vermehrt in die nächste attraktive Klein- oder Kreisstadt, also in das nahegelegene Klein- oder Mittelzentrum. Denn diese Städte wirken wie ein „Anker“ für die sie umgebende ländliche Region.

Ankerstädte kombinieren das Beste aus zwei Welten und schaffen dadurch eine spezielle Lebensqualität mitten auf dem Land"
Sebastian Flaith

Hier stimmt die Versorgung mit Einkaufsmöglichkeiten über den Lebensmittelhandel hinaus, hier konzentriert sich die medizinische Infrastruktur, es gibt Kultur-, Freizeit- und Bildungsangebote, also Kino, Kneipen, Kunstverein und eine oder mehrere weiterführende Schulen. Ankerstädte kombinieren das Beste aus zwei Welten und schaffen dadurch eine spezielle Lebensqualität mitten auf dem Land: Ihre Innenstädte konnten die historische Funktion als Marktplatz, als zentraler Handels‐, Kommunikations‐ und Begegnungsraum erhalten. Sie haben nur geringen Ladenleerstand und einen lebendigen Einzelhandel. Es gibt Gastronomie, belebte Straßen und Plätze und eine Vitalität, die sich aus dem meist großräumigen Einzugsgebiet speist. Der Nahverkehr – so lückenhaft er auf den umliegenden Dörfern erlebt wird, hat hier meist seinen Knotenpunkt. Gleichzeitig finden sich klassische Merkmale dörflichen Lebens wie enge soziale Bindungen – man kennt sich auf dem Markt, hat kurze Wege in der Stadt und in die Natur – und wohnt großzügiger und deutlich günstiger als in Großstädten.

Land ist also nicht gleich Land, Stadt nicht gleich Stadt. Kleine, vitale Städte auf dem Land lindern die Schrumpfungsschmerzen erheblich, manchmal heilen sie diese auch komplett. Dann wohnt es sich auch auf dem Land völlig schmerzfrei.

#Expertenmeinung von Sebastian Flaith, Pressesprecher bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

Mehr zum Thema „Lebens(t)raum Land“ lesen Sie in unserem Themendossier.

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Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
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