Bausparkasse Schwäbisch Hall Newsroom

Menschen & Meinungen

Wohnen auf Zeit – Schlafen auf fremden Sofas

Ich liebe das Reisen: Fremde Länder, fremde Kulturen – und das möglichst günstig. Mir geht es dabei nicht um den Komfort, um irgendwelche Jacuzzis in penibel sauberen New Yorker Luxus-Hotels. Was für mich zählt, sind die Menschen. Ich möchte sie kennenlernen, ihren Alltag miterleben, wissen, wovon sie träumen. All das kann ich erwarten, wenn ich couchsurfe. Und das sogar gratis, ein Ferienort für umme sozusagen. Die Übernachtung bei Fremden – das ist das Erfolgsrezept des Gastfreundschafts-Netzwerks Couchsurfing. Zimmerservice? Frühstücksbuffet? Kaum denkbar! Aber braucht eine tolle Reise das überhaupt?

Surfen ist nicht nur Web oder Wellen

Auf der Internet-Seite des 2004 gegründeten Netzwerks bieten sich mehr als vier Millionen Sofa-Surfer jährlich in über 200.000 verschiedenen Städten der Welt gegenseitig Schlafplätze an. Das kann ein durchgesessenes Sofa im Flur einer Pariser Hippie-WG sein, eine Iso-Matte in einer Berliner Studentenwohnung oder auch ein geräumiges Loft im Herzen Stockholms. Die Unterkunft ist grundsätzlich gratis – so die Bedingung. Dauer, Art und Ende werden im Voraus via Nachrichtenaustausch festgelegt. Die meisten Couchsurfer eint aber nicht nur die Idee, billig zu reisen, sondern bei Land und Leuten anzukommen. Dass diese Art des Reisens immer beliebter wird, ist auch ein Beleg für die zunehmende Individualisierung der Lebensstile. Man kann das auch bei der Vielfalt heutiger Wohn- und Lebensformen beobachten. „Ich möchte Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbinden um ihnen Erfahrungen zu schenken, die vor allem sie selbst wachsen lassen“, erklärt der Gründer Casey Fenton seine Unternehmensidee. Vor einer Reise ins teure Reykjavík gelangte er an eine lange Liste mit Mail-Adressen isländischer Studenten. Eine kurze Anfrage, ob er auf ihren Sofas schlafen dürfe, soll ihm binnen Stunden Hunderte Angebote eingebracht haben.

Aus fremd wird Freund

Wenn ich mich für Couchsurfen entscheide, komme ich meist mit einem prall gefüllten Schatz an Erfahrungen zurück. Die Reisen werden persönlicher, facettenreicher, authentischer. Was man in meinen Augen im Voraus mitbringen muss: Zunächst einmal Lebensfreude und vor allem Offenheit für Neues. Außerdem bestimmt der Gastgeber die Regeln. Toleranz und Flexibilität bei nächtlichen Partys wären also auch nicht schlecht. Sie haben bereits ein Bild des Reisenden im Kopf? Jung, spontan und womöglich gerade mit dem Abitur fertig, stürzt er sich voller Freiheitsgefühl ins Abenteuer. Nicht unbedingt: Jede Altersgruppe ist vertreten, sogar über 80-Jährige zählten schon zu den Nutzern. Auch manche Familien holen sich die Welt ins eigene Haus, bieten sogar Führungen durch die heimischen Straßen an. Wer will, kann den Kontakt auch im Nachhinein halten: Rund 550.000 freiwillig organisierte Events haben dabei schon geholfen – und lassen die Community so stetig wachsen. Viele finden dabei Freunde fürs Leben. Denn die meisten öffnen nicht nur ihre Tür, sondern auch ihr Herz.

Vermieten durch Vertrauen

Airbnb wirbt ebenfalls mit vielen Urlaubseindrücken für wenig Geld. Als Community-Marktplatz für die Buchung und Vermietung von Unterkünften, wurde die Plattform 2008 gegründet. Mittlerweile bietet sie Fläche für mehr als vier Millionen Inserate in über 190 Ländern. Im Gegensatz zum Couchsurfing ist der Ferienort aber nicht zum Nulltarif erlebbar. Weiterer Unterschied: Dort tummeln sich neben privaten Vermietern auch gewerbliche. Airbnb ist der Mittler und der Geldtransporteur. Gegner werfen Anschuldigungen in den Raum, Wohnraum werde zweckentfremdet, das Vermieten nehme langsam kommerzielle Strukturen an. Was mir dennoch besonders gut an Couchsurfing, Airbnb und Kollegen gefällt: das gegenseitige Vertrauen, das sich Gast und Gastgeber schenken. Gewährleistet ist es dadurch, dass jeder Nutzer ein Profil mit Bild und kurzer Beschreibung anlegen muss. Das bietet Sicherheit. Auch anschließende gegenseitige Bewertungen sorgen für Transparenz. In Zeiten der Digitalisierung werden nun wieder Stimmen laut, das berge Gefahren in Sachen Datenschutz. Aber seien wir ehrlich: Wir besitzen ohnehin schon zahlreiche Accounts auf Webseiten, sei es beim Online-Shopping oder auf sozialen Netzwerken. Meine Meinung: Diese Anfeindung kann uns nicht davon abhalten, an Insider-Tipps zu gelangen – und die Welt einmal mit ganz anderen Augen zu sehen, oder?

#Expertenmeinung von Carolin Großhauser, Pressereferentin bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

Kontakt

Siegfried Bauer
Sebastian Flaith
Carolin Großhauser
Karsten Eiß
Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
Kathrin Milich