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Wohneigentum – künftig nur was für Alte und Reiche?

Wir sind Schlusslicht in Europa – zusammen mit der Schweiz. Nicht beim Fußball, natürlich nicht. Aber bei der Wohneigentumsquote. Dabei sind wir doch eine reiche Nation, verzeichnen eine niedrige Arbeitslosigkeit und haben ideale Rahmenbedingungen bei Zins und Konjunktur. Warum tut sich da also so wenig, wo doch die eigenen vier Wände nicht nur Freiheit schaffen, sondern auch ein wesentlicher Baustein  für die Altersvorsorge sein können?

Es gibt mehrere Ursachen. Die wichtigsten: Bauland fehlt – vor allem in Ballungszentren. Bauen ist teuer geworden, gerade im internationalen Vergleich. Und die  Preise für Immobilien sind zuletzt kräftig gestiegen. Gerade hier liegt der Knackpunkt: Es fehlt vielen Interessenten am nötigen Eigenkapital für eine solide Finanzierung. Wer nicht mindestens 20 Prozent des Kaufpreises aus eigenen Mitteln bestreiten kann, der läuft Gefahr, dass ihm bei einer Zinsänderung das Geld ausgeht. Das ist eine alte Faustformel, die nichts von ihrer Gültigkeit verloren hat. Aber nur 11 Prozent der Mieter in Deutschland sind derzeit in der Lage, genau dieses Eigenkapital einzubringen. Kein Wunder, dass Ersterwerber immer älter werden – aktuell liegt der Schnitt bei 48 Jahren. Das ist mit Blick auf Kinder und Familie selbst für eine alternde Gesellschaft wie unsere keine Zahl zum Vorzeigen.

Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, auch bei uns mehr Familien und Durchschnittsverdiener in die eigenen vier Wände zu bringen.
Reinhard Klein

Kein Zweifel: Eine ausreichende Eigenkapitalausstattung ist ein Muss. Die Anforderungen ans Eigenkapital haben in der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen, dass sich der deutsche Finanzierungsmarkt für Wohnimmobilien als stabil und krisenfest erwiesen hat. Dennoch: Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, auch bei uns mehr Familien und Durchschnittsverdiener in die eigenen vier Wände zu bringen.

Wohneigentum ist für viele Menschen im Land Vermögensbildung und – mehr denn je – eine wichtige Form der Altersvorsorge. Ein Rentnerhaushalt in der eigenen Immobilie spart nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zu Mietern monatlich im Schnitt rund 600 Euro – bei sinkenden Renteneinkommen eine herausragende Größe. Die Pläne der Politik, die Wohneigentumsbildung und das Vorsparen deutlich besser als bislang zu fördern, sind daher nur zu begrüßen. Klar ist: Wer das Wohneigentum heute stärkt, nimmt eine wichtige Hürde auf dem Weg, die Altersarmut von morgen zu vermeiden. Anreize zum Sparen und staatliche Fördermöglichkeiten einerseits, aber auch Konsumverzicht künftiger Häuslebauer andererseits sind hier die Herausforderungen, um vom Tabellenende wegzukommen.

#Hausmeinung von Reinhard Klein, Vorsitzender des Vorstands der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG

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Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
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