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Smart Home – zwischen Komfort und Kontrollverlust

Es klingt verlockend bequem. Und gleichzeitig ein bisschen beängstigend: Ich liege am Strand in der Sonne, checke in der Wetter-App die Niederschlagslage im heimischen Garten und schicke mit einem weiteren Tippen den Rasenmäh-Roboter daheim an die Arbeit. Die Rasensprenger wissen genau, wann gegossen werden muss. Schon am Tag vor meiner Rückkehr aus dem Urlaub schaltet sich die Heizung selber ein. Wieder zuhause – die Haustür entriegelt sich per Fingerabdruck-Scan – meldet der Kühlschrank: Die Milch ist alle. Im Smart Home läuft vieles wie von Geisterhand. Das technikunterstützte Wohnen ist längst keine Zukunftsmusik mehr – aber welche Vorteile bietet es wirklich?

Bequem ist nicht gleich sicher

Zwar nimmt uns intelligente Hausautomation viel Arbeit ab. Doch was nützt all der Komfort, wenn die Anwendungen untereinander nicht kompatibel sind? Technikliebhaber sollten deshalb auf offene Systeme mit gemeinsamen Funkstandards setzen, so dass Produkte verschiedener Anbieter kombiniert werden können. Nur: Wie sieht’s hier mit der Sicherheit aus? Einerseits fallen den Smart Home-Systemen Einbruchsversuche, Feuer oder Unfälle sofort auf oder können sogar vermieden werden. Andererseits ist die Gefahr von Hacker-Angriffen und Datenmissbrauch erheblich. Und je mehr Geräte miteinander vernetzt sind und per WLAN oder App gesteuert werden, desto größer ist die Angriffsfläche. Datenschutz? Fehlanzeige! Deshalb empfehle ich, immer direkt beim Anbieter nachzufragen, inwieweit Informationen gespeichert und ausgewertet werden. Klar ist: Die größtmögliche Sicherheit ist gewährleistet, wenn sensible Daten in der eigenen Wohnung bleiben und alle Systeme über ein zentrales Bedienelement und nicht per App oder Smartphone gesteuert werden.

Was mir am Smart Home besonders gefällt: Es schont die Umwelt! Eine intelligente Heizungssteuerung sorgt für die persönliche Wohlfühltemperatur in jedem Raum und hilft, Energie und Heizkosten zu sparen. Die Angaben von Herstellern zur maximalen Energieersparnis sind allerdings kritisch einzuschätzen und können überhöht sein – das bemängelt übrigens auch die Verbraucherzentrale NRW. Daher sollte man bei der Anschaffung prinzipiell auf einen geringen Energieverbrauch der Produkte achten. Allein auf eine mögliche Einsparung durch die automatische Steuerung zu setzen, ist eher fahrlässig.

Neue Chancen für Senioren

Intelligentes Wohnen ist auch im Blick auf ein weiteres gesellschaftliches Megathema interessant, nämlich den demografischen Wandel. Ältere Menschen können mit smarten Technologien idealerweise länger selbstständig in den eigenen vier Wänden leben: So wird ihnen zum Beispiel das Aufstehen durch das automatische Öffnen der Rollläden erleichtert. Moderne Sensoren können außerdem Bewegungen erfassen und Auffälligkeiten wie längere Regungslosigkeit an die Angehörigen melden. Tipp: Bei der KfW-Bank nachfragen. Sie fördert Baumaßnahmen, die Barrieren reduzieren und eine hohe Wohnqualität gewährleisten.

Mein Fazit: Für viele ist das Smart Home immer noch ein abstrakte Vorstellung, andere erfreuen sich bereits rege an den technischen Spielereien. Die übrigens ganz schön ins Geld gehen können: Einsteiger-Pakete sind schon für wenige hundert Euro zu haben, für komplette Lösungen gibt es nach oben keine Grenzen. Vor der Anschaffung von smarter Technik lohnt es in jedem Fall, zwischen dem Komfort und der potenziellen Überwachungsgefahr oder technischen Risiken abzuwägen. Manchmal kann schon ein simpler Stromausfall das ausgefeilteste Technikkonzept zu Fall bringen. Letztlich entscheidet jeder selbst, wieviel Technologie das eigene Leben leichter macht und ab wann der Kontrollverlust zu groß wird.

#Expertenmeinung von Kathrin Milich, Pressereferentin bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

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Kathrin Milich, Referentin Presse und Information bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. (Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)
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